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Dominique Anne Schuetz: Leo&Ludwig
Erscheinungsdatum: 05.07.2009

ISBN 978-3-937717-36-4
448 Seiten, gebunden, mit 12 Vignetten

Preis: 22,80 €



Auch als E-Book erhältlich!

Dominique Anne Schuetz Leo&Ludwig

Eine Biografie des Unvorstellbaren - Roman

Buchbeschreibung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommt eine mittellose junge Frau aus der Uckermark nach Berlin und findet eine Stelle im »Nussbaum«, einer Destille, wo der Karikaturist Heinrich Zille verkehrt und das »Milljöh« beobachtet. Die junge Frau lässt sich mit dem Sohn eines Industriellen ein, wird schwanger und bringt siamesische Zwillinge zur Welt. Zwillinge, die ebenso gegensätzlich sind wie das damalige Berlin, dieses qualmende Ungeheuer zwischen Fortschritt und Rückständigkeit, zwischen Licht und Schatten.
Da die Mutter nach der Geburt stirbt und den Namen des Vaters mit ins Grab nimmt, kommen die Knaben ins städtische Waisenhaus. Dort macht der Anstaltsarzt eine verwirrende Entdeckung: Obwohl siamesische und somit eineiige Zwillinge, hat Leo dunkles Haar, Ludwig dagegen blonde Locken. Doch nach und nach wird klar, dass die äußeren Unterschiede nur das Innere der Brüder widerspiegeln. Leo ist kalt, dominant und an Technik interessiert, während sich sein Bruder Ludwig zu einem sensiblen Träumer entwickelt, der die Natur liebt. Mit Hilfe des berühmten Professor Rudolf Virchow, auch Experte für deformierte Skelette, fehlende Glieder und andere Missgeschicke der Natur, gelangen die Brüder in die Obhut
eines Psychiaters. Er nimmt sie in seine verwunschene Villa auf und erkundet die Abgründe dieser ungleichen Seelen, die in einem Körper gefangen sind. Leo und Ludwig besuchen die Universität und wachsen zu attraktiven jungen Männern heran, die ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Doch Schönheit und Anomalie liegen zu nah beieinander, und die Wirkung dieser Antipoden irritiert oder mündet in ­Ableh­nung. Als Cynthia, eine eigenwillige Amerikanerin aus Detroit, und mit ihr Liebe und Begehren in das Leben der Brüder treten, bricht der Graben zwischen den beiden auf. Dennoch reisen sie mit der jungen Frau in die Neue Welt. Zur gleichen Zeit beauftragt die Gattin eines Indus­triellen einen Berliner Privatdetektiv, Licht in die dunkle Herkunft der Zwillinge zu bringen. Dabei stößt er auf Heinrich Zille, der als Karikaturist ein ausgeprägtes Gedächtnis für Gesichter hat.
Der Roman erzählt in einer bildhaften Sprache und nicht ohne Ironie die Geschichte von Normalität und Abweichung, von der Suche nach dem eigenen Ich. Neben historischen Persönlichkeiten wie Virchow und Zille spielen mit: Fabrikanten, Irrenärzte, Schmalspurganoven, bucklige Gärtner, Geister, windige Reporter, Huren und Säufer.

Pressestimmen

Leo und Ludwig hat es als Personen nie gegeben, aber der Rahmen der Handlung wirkt sehr authentisch. Nicht nur, dass neben Rudolf Virchow auch Heinrich Zille auftritt, sondern Dominique Anne Schuetz zeigt auch sehr detailliert die vielfältigen Gesichter Berlins in seiner Entwicklung mit den dazugehörigen Schattenseiten. Die Authentizität geht soweit, dass die Figuren in den Dialogen berlinern. Das mag Geschmackssache sein, aber die Liebe zum Detail des Zeitgeistes macht den Roman zu einer spannenden Lektüre neben den psychologischen Verwicklungen von Leo und Ludwig.

Birgit Koß, Deutschlandradio Kultur

Dominique Anne Schuetz erzählt bunt und detailliert. (…) Liebevoll – manchmal voll Ironie – zeichnet die Autorin die Milieus der Unter- und Oberschicht in Zeiten der Industrialisierung. (…) Für alle, die sich gerne im Spannungsfeld der Jekyll-and-Hyde-Thematik bewegen und Skurriles mögen, sei eine unterhaltsame Lesezeit versprochen.
Antje Stiebitz, Neues Deutschland

"Mit Souveränität und grossem Geschick entfaltet die Zürcher Autorin Dominique Anne Schuetz in ihrem zweiten Roman den historischen Stoff: Sie zeichnet nicht nur das Schicksal der siamesischen Zwillinge mit grosser Empathie nach; sie entwirft darin auch ein anschauliches, sinnlich dichtes Panorama Berlins am Ende des 19. Jahrhunderts. Mutig reichert sie ihren Stoff mit Erzählsträngen an, deren Ausläufer bis nach Amerika reichen, so dass ihre Geschichte eine ebenso unerwartete wie auch dramatische Wendung nehmen kann.
Grossartig gestaltet sie auch die Exposition ihres Themas: Schlaglichtartig beleuchtet sie mit zwei Szenen aus dem 16. und 17. Jahrhundert die Geschichte des Kaiserschnitts, der häufig in Zusammenhang bei missgestalteten Föten oder Säuglingen vorgenommen wurde. Damit wird die Handlung – ohne zu forcieren – mit dem Schock gegenüber dem Unheimlichen und Unerklärlichen grundiert, der dann das Leben Leos und Ludwigs begleiten wird. …
So bietet denn dieser Roman nicht nur ein schönes Lesevergnügen; er fasziniert auch durch die Virtuosität, mit der die Verbindung von Sachkenntnis und Melodrama gelingt." Mehr lesen
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