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Rainer Wieczorek: Tuba-Novelle
Erscheinungsdatum: 05.03.2010

ISBN 978-3-937717-41-8
121 Seiten, gebunden

Preis: 14,80 €

Rainer Wieczorek Tuba-Novelle

Buchbeschreibung

Wenn er schreiben wollte, zog sich Samuel Beckett in sein kleines Landhaus in Ussy-sur-Marne zurück. Hier entstanden zahlreiche Meisterwerke. Aber hier feierten auch seine Schreibhemmungen wahre Triumphe !
Ein neunmonatiges Stipendium soll es dem Protagonisten in Wieczoreks Novelle ermöglichen, ein Essay über Becketts Schreib-Refugium zu verfassen. Ein Anfang ist bald gefunden, jäh aber versiegt das Schreiben, als im »Spanischen Haus« gegenüber des Gartens ein Tubist beginnt, sein tägliches Pensum aufzunehmen. Tonleitern. Staccato-Ubungen. Pralltriller. Es ist zum Heulen. Zum Lachen. Aber nicht zum Schreiben.
Parallelen werden sichtbar, wenn beispielsweise vor Becketts Garten ein Monsieur Horviller eine Jagdhütte zu bauen beginnt.
»Die Neurose schreibt nicht«, sagte einmal Becketts Psychoanalytiker Ruprecht Bion, es sei stets der gesunde Teil der Schriftstellerseele, der ein Werk verfasse.
Wieczoreks Protagonist beginnt wieder Mut zu schöpfen, als er den Satz liest: »In diesem Spannungsfeld zwischen Bions These und Becketts Störung durch Horviller würde er sein Essay anlegen, und es würde eine hochinteressante Schrift werden, die, im Falle des Gelingens, weit über Beckett hinauswiese, indem sie die Bedingungen künstlerischer Schaffensprozesse, menschlicher Widerstandsleistungen, ausleuchten würde.«
Aber der Tubist bringt noch mehr zum Schwingen mit seinem sperrigen Instrument. Immer tiefer wird der Protagonist in seine Kindheit zurückversetzt, in der ein musizierender Vater nichts Ärgeres zu fürchten scheint, als von seinem Sohn gestört zu werden.
Die Auseinandersetzung mit dem Tubisten führt den Erzähler gleichzeitig immer näher zu Beckett und zu seinem Thema als Essayisten.
Mit dieser zweiten Künstler-Novelle ist Rainer Wieczorek nach der Novelle über die Bildende Kunst, Zweite Stimme, wieder »ein kleines Meisterwerk« gelungen.

Pressestimmen

"Spannend, faszinierend zu lesen, wie Rainer Wieczorek Verknüpfungen herstellt aus der Jetzt-Zeit zur Vergangenheit, jener Becketts und jener des Essayisten, im Nachdenken über Kunst, über Glück, über Schweigen, über Musiker. Kluge Gedanken." Mehr lesen

Peter Hoefs, Das Orchester

Nach dem vergangenes Jahr publizierten Band "Zweite Stimme" liegt mit der "Tuba-Novelle" nun das Mittelstück seiner Trilogie von Künstlernovellen vor. Die beiden – auffallend sorfgältig edierten – Texte zeichnen sich durch große erzählerische Ökonomie aus. Wieczorek schreibt in einer unangestrengten, dabei hoch kontrollierten Sprache, die viel Raum für Untertöne lässt. In den ins Satzbild eingestreuten Partiturauszügen von Benedetto, Hindemith und Bach gelangen diese in der "Tuba-Novelle" zu schönstem, stillstem Ausdruck. …

Als thematischer Kern der Trologie zeichnet sich die Frage nach dem Gewicht und der Reichweite der Kunst in einer sich zunehmend trivialisierenden Welt ab. In den Bemühungen seiner einigermaßen skurrilen Künstlerfiguren scheint Wieczorek für eine Kunst unterhalb des Werkbegriffs zu plädieren. Die Vision einer gattungsübergreifenden Elementarposie schimmert dabei immer durch; gleichzeitig lässt Wieczorek keinen Zweifel an seinem Anatz, dass Kunst in allen ihren Ausformungen nur im Abseits und in der Reduktion auf fast nichts zu voller Wirkkraft gelangen kann. Dennoch hat man es nie mit abgehobener Thesenprosa zu tun. Mehr lesen .

Bruno Steiger, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag

"Die Störung war das Gesuchte und Geführchtete zu gleichen Teilen", notiert der Beckett-Forscher. Am Ende wird sie zum notwendigen Begleiter seines Tages geworden sein. In einer vom Zweck bestimmten Welt, erkennt er, ist es die Störung, die in der Lage ist, Veränderungen herbeitzuführen. Der Stipendiat freundet sich an mit der Störung, er spürt den Wert des Nicht-Schreiben-Könnens als Widerstand, an dem ein Werk reifen kann. … So staunenswert ökonomisch Wieczoreks knappe, mit großer Sprachpräzision formulierte Novelle angelegt ist, so legt sie doch mehrere Themen in Engführung übereinander, bis die erzählerischen Passstücke erkennbar werden. … – ein besonderes Lesevergnügen nicht zuletzt wegen des durchgängigen leisen Witzes, mit dem über das Nicht-Schreibeh-Können so glänzend geschrieben wird. Mehr lesen

Johannes Breckner, Darmstädter Echo

"Wieczorek ist ohne Zweifel ein hochmusikalischer Autor, was sich in der Sprache wie in der Komposition seiner Novelle abbildet. Diese ist selbst zuweilen ein zartes Pianissimo, wird aber durch eine andere Komponente ergänzt. Gegenüber dem ersten Teil der Trilogie steigert sich die dort mitschwingende Ironie zur Hochkomik. Es darf durchaus herzlich gelacht werden, ohne dass man sich als Banause fühlen müsste. Auch das entspricht natürlich ganz dem Geist Samuel Becketts."

Jochen Schimmang, SR 2